ROLF DIETER BRINKMANN

 

1940 in Vechta (bei Oldenburg) geboren

B. verließ nach dem frühen Tod seiner Mutter das Gymnasium. Eine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten brach er ab und begann 1959 eine Buchhändlerausbildung in Essen. 1962 zog B. nach Köln und nahm ein Studium an der Pädagogischen Hochschule auf. Frühzeitig schrieb B. Gedichte und kleine Texte, mit denen er sich dem restaurativen Druck der katholischen Enklave Vechta und später dem ihm repressiv erscheinenden Literaturverständnis der 50er Jahre widersetzte. Er gehörte zur jungen Kölner Gruppe des "Neuen Realismus". Nach Veröffentlichungen in Zeitschriften und Kleinverlagen (Ihr nennt es Sprache, 1962, und In die Grube) wurde B. freier Schriftsteller. Seine provokativen, Klischees und Vorurteile entblößenden Texte wurden von der etablierten Kritik abgelehnt.

Er drehte Kurzfilme und veranstaltete Multimedia-Lesungen.

Herausgeber einiger Anthologien amerikanischer Undergroundliteraten (ACID und Silverscreen, 1969).

Nach 1970, mit dem Ende der emphatischen Aufbruchsstimmung der Studentenbewegung, nahm B. seinen innovativen Anspruch zurück. Er entzog sich dem Kulturbetrieb, lebte von Stipendien und kurzen Rundfunkfeatures. 1972 erhielt er ein Villa-Massimo-Stipendium in Rom. In dem postum erschienenen Buch Rom, Blicke, 1979 finden sich die akribischen Aufzeichnungen B.s aus Italien. Sie liefern Aufschlüsse über den sensiblen Autor. B. analysiert menschliche Deformationen in der Massengesellschaft, sucht seine Identität zwischen den >Fetzen der Wahrnehmung< und beklagt den fortschreitenden Verlust des Individuellen.

1974 wurde B. für ein Jahr nach Austin (Texas) eingeladen. Es entsteht der Gedichtband Westwärts 1 & 2 (1975).

Am 23. April 1975 wird Brinkmann in London von einem Auto überfahren und stirbt.